Kurzvorstellung: Bitcoin-Börse BTC-e

29. November 2013 | Von | Kategorie: Börsen und Märkte

BTC-e.com ist die europäische Alternative zu Mt.Gox. Entgegen vieler Beschreibungen ist BTC-e kein russischer, sondern ein bulgarischer Umtauschplatz für Bitcoin und alternative Kryptowährungen. BTC-e listet als Landeswährungen neben dem US-Dollar (USD) und Euro (EUR) auch den russischen Rubel (RUR).

BTC-e dient vielen Bitcoin-Spekulaten als alternative Börse zu Mt.Gox, weil schneller gehandelt werden kann und weil BTC-e neben dem Bitcoin auch weitere Kryptowährungen/Altcoins führt. Gerne wird BTC-e in amerikanischen und west-europäischen Forenbeiträgen ein anrüchiger Ruf angedichtet und die Börse als „russische“ Börse dargestellt – was aber falsch ist. Die bulagrische Börse wird allerdings gerne von ost-europäischen Bitcoin-Händlern und -Besitzern benutzt, vermutlich weil sie wesentlich flexibler als Mt.Gox bei den Ein- und Auszahlungen arbeitet und eben auch den Rubel führt. Da in Bulgarien beheimatet unterliegt sie auch nicht der amerikanischen Juristikation, sofern das im Zeitalter von NSA/PRISM überhaupt noch relevant ist.

Geschichte
Zur Geschichte von BTC-e lässt sich bislang wenig schreiben. Laut whois wurde die Domain am 17. Juni 2011 beim Registrar „Instra Corp.“ in Melburne, Australien, reserviert.

BTC-e Frontend

Das übersichtliche Webfrontend der Handelsplattform BTC-e

Handelsplattform
Das webbasierte Frontend wirkt ein wenig altbacken, ist aber funktionell. Anders als Mt.Gox sieht man bei BTC-e auf einen Blick alle Kombinationen aus Landes- und Kryptowährungen und kann mit einem Klick zwischen ihnen umschalten. Ein 24-Stunden-Graph zeigt den aktuellen Kursverlauf an. Offene Verkaufs- und Kauforders (Sell/Buy Orders) werden in zwei Spalten nebeneinander dargestellt, darunter zeigt eine Liste die eigenen noch nicht ausgeführten Orders an. Ganz unten werden alle Transfers chronologisch angezeigt.
BTC-e besitzt ein eigenes und sehr aktives Chat-Fenster, das allerdings zu Recht „Troll-Box“ genannt wird: 99% der Kommentare sind sinnlos und vor allem von kindischen Kauf- und Verkaufstipps geprägt. Auch vermeintliche „News“ sollten eher ignoriert werden, da deren Wahrheitsgehalt in der Regel nur dem Versuch der Kursmanipulation dient. Die auf Dauer lästige Troll-Box lässt sich per Befehl abschalten (zumindest manchmal, und leider sind die Befehle nicht dokumentiert – Update folgt).

Gebühren und Kosten
Ein Account kann kostenlos angelegt werden, auch Einzahlungen (Deposit) in den verschiedenen Krypto- oder Landeswährungen gebührenfrei. Eine Transaktion innerhalb der Börse kostet 0.2% und damit nur ein Drittel soviel wie bei Mt.Gox.
Auszahlungen (Withdraw) lassen sich in allen Kryptowährungen zur eigenen Wallet vornehmen und kosten jeweils 0,001 BTC beziehungsweise 0,1 in den übrigen Kryptowährungen (LTC/NMC/NVC/TRC/PPC/FTC/XPM). US-Dollar (USD) können über gut ein Dutzend Dienstleister bei Gebühren von 0-7%, Euro (EUR) via SEPA-Überweisung (1%, mindestens 500,- EUR), Perfect Money (3,5%, mind. 10,- EUR), Okpay (3%, mind. 1,- EUR) und Payeer.com (3%, mind. 200,- EUR) ausgezahlt werden. Auszahlungen mit Russischem Rubel (RUR) sind ebenfalls möglich.

Besonderheiten

  • Der US-Dollar-Kurs des Bitcoin liegt bei BTC-e oft 10-20% unter dem von Mt.Gox.
  • Logins werden mit einer E-Mail quittiert und sorgen damit für erste Hinweise, sollte der Account gehackt werden.
  • Auszahlungen müssen zur Sicherheit über einen Link, der per E-Mail zugesendet wird, bestätigt werden.
  • In der Troll-Box wird man bei Hinweisen auf andere Börsen oder Kritik an BTC-e recht schnell für eine Weile gebannt.
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    6 Kommentare auf "Kurzvorstellung: Bitcoin-Börse BTC-e"

    1. Pascal sagt:

      Vielen Dank für die zusammengetragenen Infos! Bastle gerade an einem Bitcoin-Projekt und musste feststellen, dass Infos zu den verschiedenen Börsen doch recht spärrlich gesät sind. Gerade von Wikipedia bin ich sehr enttäuscht gewesen, da lediglich der Artikel zu Mt.Gox einigermaßen brauchbar war.

      Viele Grüße
      Pascal

      • michael sagt:

        Hallo Pascal,
        Danke für Dein Feedback. Ich habe einen Blick auf Deine Seite geworfen, das sieht auch vielversprechend aus ;). Ich werde hier alle wichtigen Infos rund den Bitcoin zusammentragen, da ich die sowieso immer zur Hand haben muss, weil ich auch für Print-Medien über Kryptowährungen schreibe. Diskussionen und Meinungen zu Bitcoin-Börsen gibt es wie Sand am Meer, aber leider sind konkrete Infos tatsächlich mehr als spärlich. Und die Wikipedia sehe ich sowieso nur noch mit gemischten Gefühlen, weil die ja „nicht relevante“ Dinge wie kleinere Linux-Distributionen oder auch Kryptowährungen ja gerne rauswerfen – was die Admins nicht verstehen, kommt nicht in die Wikipedia. Egal, dann werden die Infos eben bald hier zu finden sein…

        Viele Grüße aus Schweden
        Michael

    2. Stefan sagt:

      Wie kann ich bei BTC-E eine SEPA-Auszahlung machen? Es gibt nur das Feld Purse, wo man was eingeben kann. Neben IBAN, SWIFT gibt es kein Textfeld.

      • michael sagt:

        Hallo Stefan,
        ja, die Auszahlungen bei BTC-e sehen alles andere als kundenfreundlich aus. Bei diversen anderen Auszahlungsarten muss man die benötigten Infos (z.B. E-Mail) in das Eingabefeld hinter „Purse:“ eintragen. Ich denke, dass ist bei SEPA-Überweisungen auch so. Im Grunde müssten ja die üblichen Angaben reichen, also Name des Kontoinhabers („Benificary Name:“), IBAN („IBAN:“) und der BIC (BTC-e nennt das „SWIFT:“). Scheinbar wollen die auch noch die Adresse des Kontoinhabers, den Namen der Bank und deren Adresse haben – eigentlich überflüssig. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich würde alle diese Angaben in das Eingabefeld hinter „Purse:“ eintragen… oder das machen, was oft empfohlen wird: Alles in BTC tauschen, nach Bitstamp überweisen und von dort eine SEPA-Überweisung tätigen (die nehmen weniger Gebühren und sind angeblich viel schneller). Ich werde das aber bei Gelegenheit mal konkret testen.

        Viele Grüße aus Schweden
        Michael

    3. Ariane sagt:

      hey michael,
      mein freund , der seine Bitcoins auf BTC-e.com stehen hat, ist heute morgen gehackt worden und all sein Spargeld ist weg. ist da irgendetwas zu tun?

      danke für eine Antwort
      ariane

      • michael sagt:

        Hallo Ariane,
        oh, das ist natürlich ausgesprochen ärgerlich. Sicher hat Dein Freund schon ein Support-Ticket auf der Support-Seite von BTC-e (http://hdbtce.kayako.com) geöffnet (also eine Support-Anfrage gestellt). Ich fürchte nur, die können da nicht viel machen und sagen so etwas wie „Deinen PC musst Du selbst sicher halten“ oder „benutze 2-Faktor-Authentifizierung (also zB Passwort und PIN)“.
        Ich teste seit vielen Jahren für diverse Fachzeitschriften Betriebssysteme, Virenscanner und Sicherheitssuiten – und man muss ganz klar sagen: Windows bekommt man niemals sicher, Linux oder Mac OS X sind sicherer, aber niemals 100%ig sicher. Wenn Du Dich irgendwo einloggen kannst, dann kann ein Hacker das mitverfolgen (Keylogger, Sniffer oder Man-in-the-Middle-Attack) und den jeweiligen Account übernehmen – egal ob Mail, BTC-e, Facebook oder was auch immer. Es gibt beispielsweise bei Mt-Gox einen zusätzlichen Hardware-Schlüssel (USB-Stick, YubiKey), mit dem man dann fast 100% sicher sein kann – aber dafür ist es im Fall Deines Freundes wohl leider zu spät.
        Ich werde mir das Thema aber mal vornehmen und etwas zum Thema „Bitcoin und Sicherheit“ schreiben…

        Übrigens: Ich halte meine Coins nicht in Börsen oder gar „Online-Wallets“ – die können von Heute auf Morgen weg sein. Ich habe mir ein altes IBM-Notebook mit Linux zurechtgebastelt, auf das ich die paar Coins überweise, die ich sparen will. Das hängt nur ab und zu per Ethernet-Kabel am Netz, wenn ich Coins verschieben will – ansonsten ist es abgeklemmt und abgeschaltet. Auf dem Notebook wird auch nicht gesurft oder irgendetwas anderes gemacht. Stichwort: „Cold Storage“.

        Viele Grüße
        Michael

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