Max Kaiser: JPMorgan mit „Bitcoin-Killer“-Patent?

11. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Politik und Recht

Max Keiser, selbst bekennender Bitcoin-Enthusiast und Börsen-Guru, twitterte vor ein paar Stunden, dass der amerikanische Banken-Gigant „JPMorgan Chase“ – allen aus dem Banken-Skandal und anderen Betrügereien mehr als bekannt – ein Patent für den Bitcoin eingereicht hat.

Max Kaiser JPMorgan Chase PatentDie Nachricht dürfte viele Bitcoin-Besitzer, vor allem aber auch die Betreiber von Diensten rund um den Bitcoin ziemlich erschreckt haben: Will die skrupellose und skandalumwitterte Bank „JPMorgan Chase“ den Bitcoin per Patenklage bezwingen? Zunächst hat man den Bitcoin geflissentlich ignoriert, dann über ihn gelacht und ihn zuletzt schlecht gemacht (Währung für Terroristen und Drogendealern… die Kinderporno-Branche hat man offenbar im Eifer der Entrüstung vergessen). Selbst Regierungsstellen wurden eingespannt, um vor dem Bitcoin und dessen Gefahren zu warnen. Trotz dieser vielen Warnungen vor der bösen Hacker-Währung ist der Erfolg des Bitcoin jedoch unübersehbar – wenn auch nicht unbedingt als Zahlungmittel, sondern zur Zeit eher als hochbrisantes Spekulationsobjekt.

Missbrauchte Patente

Da klingt es logisch, wenn die größten Bankster (Banker + Gangster = Bankster) nun die rechtliche Keule hervorholen und wie die am Boden liegende Film- und Musik-Industrie mit Hilfe von MPAA/RIA per Copyright-Klagen ihre schwindenden Umsätze (vergeblich) zu halten versuchen. Bekommt man in den USA ein Patent für ein bestimmtes Produkt oder Verfahren, kann man damit seine Konkurrenz – und das ist der Bitcoin für die Banken – bequem aus dem Weg räumen. Dabei spielt es zunächt keine Rolle, ob dieses Patent zur Recht oder zu Unrecht erteilt wurde. Gerade die zu Unrecht erteilten Patente, mit denen Mitbewerber aus dem Weg geräumt werden können, sind besonders wertvoll. Müssen Börsen wie Mt.Gox, BTC-e oder auch der kleine Bitcoin-Besitzer nun mit saftigen Patentklagen und -gebühren rechnen? Max Keiser jedenfalls hat seine Prognose für den Bitcoin-Kurs vorsorglich schon einmal von 1.700 auf 1.400 US$ nach unten korrigiert.

JPMorgan Chase Patent Bitcoin

Einfacher Vorgang – digitales Bezahlen im Webbrowser – kompliziert zu einem Panten verwurstet: JPMorgan Chase’s Bitcoin-Killer?

Ein Blick auf das konkrete Patent offenbart zunächst einmal, dass es ursprünglich bereits am 3. Mai 1999 eingereicht wurde. Was Max Keiser referenziert, ist „nur“ das Update vom 8. März 2013, das jetzt im November öffentlich gemacht wurde. Der Bitcoin wurde von Satoshi Nakamoto jedoch am 01. November 2008 aus der Taufe gehoben, wie hier im Original nachzulesen ist. Bereits fast 10 Jahre vor dem Bitcoin machte sich JPMorgan (damals noch ohne „Chase“ im Namen) als Gedanken über ein digitales Bezahlsystem im Internet – auch wenn die Ausführungen trivial sind und nur eine offsichtliche Möglichkeit des Internets beschreiben. Zur Beruhigung: In den knapp 20.000 Worten der Patentschrift kommt das Wort „Bitcoin“ kein einziges Mal vor – insofern gibt es zumindest einmal eine teilweise Entwarnung.

Temporärer Kurseinbruch
BTC KursDer Bitcoin-Kurs – und mit ihm auch einige alternative Kryptowährungen – wurden zunächst panikartig verkauft. Von rund 960 US$ brach der Bitcoin kurzfristig bis auf 804 US$ ein. Während diese Zeilen geschrieben wurden, hat sich der Kurs bereits wieder bei 865 US$ eingependelt.

Fazit
Wer glaubt, dass die Banken – und mit ihnen unter einer Decke auch Regierungen und Geheimdienste – sich in Ruhe ansehen, wie der Bitcoin das alte monitäre und willenlos kontrollierbare System langsam unterwandert, ist blauäugig. Technisch ist dem Bitcoin vielleicht nicht beizukommen, wohl aber mit an den Haaren herbeigezogenen rechtlichen Kniffen. Un wenn es darum geht, Gesetze kreativ zu eigenen Gunsten auszulegen oder sie schlichtweg von der Regierung den eigenen Wünschen entsprechend ändern zu lassen, sind Banken wirklich gut. Vor allem aus dieser Richtung kann dem Bitcoin und alternativen Kryptowährungen Gefahr drohen. Das JPMorgan Chase-Patent mag ein erster zaghafter Versuch werden, den Bitcoin mit den Werkzeugen der Mächtigen anzugreifen. Da der Bitcoin dezentral arbeitet und im Zweifelsfall seine Server und Börsen in freie Länder auslagern kann, dürfte die Gefahr nicht allzu groß sein.

Wie schrieb schon Nicholas Klein 1919 in seinem Buch „Amalgamated Clothing Workers of America“: „First they ignore you. Then they ridicule you. And then they attack you and want to burn you. And then they build monuments to you.“ Der Bitcoin wird mittlerweile offenbar nicht mehr nur ignoriert…

Links:
Twitterkanal von Max Keiser: https://twitter.com/maxkeiser
Fox News zum JPMorgan Chase-Patent: http://www.foxnews.com/tech/2013/12/10/jpmorgan-files-patent-application-on-bitcoin-killer/
Business Insider erklärt das Patent: http://www.businessinsider.com/debunking-jp-morgan-bitcoin-2013-12
Original-Patentschrift: Link

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3 Kommentare auf "Max Kaiser: JPMorgan mit „Bitcoin-Killer“-Patent?"

  1. Robert sagt:

    Ich frage mich, wie man jemanden, bzw. besser etwas verklagen will, was ja keine Firma, keine Person, kein Staat oder sonst was ist. Das ja als wenn man das Internet verklagen will, das kann ja wohl kaum klappen ;)

    Also bei so was habe ich immer den verdacht, das diese Leute versuchen so den Kurs in die Knie zu bringen um dann günstig zu kaufen.

    • Ortreum sagt:

      Hallo,

      das ist ganz simpel. Jeder der ein Gerät hat, wo eine Software drauf läuft, die dieses Patent tangiert, macht sich somit strafbar. So wie der Besitz von Filmen strafbar gemacht wird. Somit können Läden und offizielle Seiten Bitcoins nicht mehr als Zahlungmittel annehmen, da sie Software einsetzen müssten, die sie garnicht besitzen dürfen. Es bleibt nur noch die Auslagerung als „Coud Dienste“ in bestimmte Staaten, die sich einen Dreck um US-Patent scheren. Solche Dienste kosten dann meist so viel, dass sie unattraktiv werden, womit der Bitcoin dann stirbt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Lobbyarbeit der Bitcoin-Community schnell an Schlagkraft gewinnt.
      Die Rettung wäre eine alternative Implementierung mit dem selben Ergebnis unter Nutzung eines anderen Weges mit free-to-use Patentierung.

  2. pcul sagt:

    Wenn man sich diese Patentskizze genau betrachtet, stellt man fest, daß der Bitcoin davon in keinster Weise tangiert ist.
    Alleine schon die auf zentrale Konstrukte abzielende Architektur in der Skizze beißt sich mit dem, was der BTC ist.
    Für .de gilt übrigens, daß ein Patent eine gewisse Technizität sowie eine erfinderisches/schöpferische Höhe bei der „Erfindung“ voraus setzt. (Ich war auch schon mal in München im DPMA zu einer Anhörung…). Das bedeutet, daß selbst wenn etwas in den USA patentierbar ist, dieses noch lange nicht für Deutschland gelten muss. Konsequenzen bitte selbst überlegen;)

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